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Herr K. sieht Ödipus

Herr K. geht nicht jede Woche ins Theater und er ist erst recht kein Theaterkritiker, Herr K. ist ein ganz normaler Zuschauer, der sagen kann, was ihm gefällt und was nicht. Er geht nicht so häufig ins Theater, auch weil ihn Vieles bei „angesagten“ Inszenierungen abstößt. Ihn nervt, das als Stilmittel eingesetzte Geschrei auf der Bühne, vielleicht weil es ihn an das angstmachende Gebrüll seiner Kindheitsmutter erinnert.

Bei anderen Inszenierungen ärgert ihn das beliebte Umschreiben oder Ergänzen von Originaltexten, weil einige Regisseure meinen, ihren eigenen Senf dazugeben zu müssen und dabei oft so unverständlich bleiben, dass nur Eingeweihte verstehen, was gemeint ist. Zudem verbergen sich oft hinter solchen Tiefgründeleien nur Bedeutungsbanalitäten.

Herr K. ist also ein alter, weißer Mann, von dem man nun annehmen könnte, dass er „Plüsch und Plunder“ Inszenierungen liebt.
Nein, weit gefehlt, Herr K. mag es nur, wenn Kunst auch mit „Können“ zusammentrifft. Das war gestern Abend in der Schaubühne der Fall . Die Geschichte von Ödipus wurde gegeben, aber nicht die nach Sophokles. Erzählt wird derselbe Plot, aber im Hier und Heute und dabei so, dass die Handlung, also das Eintreten von unmöglichen Zufällen, vorstellbar und plausibel wird.

Diese moderne Erzählung folgt damit dem (leicht abgewandelten) Goethe’schen Gedanken, dass alles schon einmal erzählt wurde, man müsse nur versuchen, es noch einmal zu erzählen. Das tut die Autorin in genialer Art und Weise. Die Dialoge sind geschliffene Präzision. Da streiten Bruder (Robert) und Schwester (Christina) als stünden sie nicht auf der Bühne, sondern in der Küche einer Zehlendorfer Villa. Dann scheitert Christina daran eine Auseinandersetzung zwischen ihrem Bruder und ihrem Geliebten zu schlichten, weil sie zwischen den Stühlen sitzt und es hört sich so an, als hätte die Autorin bei Herrn K.s Familie mitstenografiert. Auch der Dialog der vier Protagonisten über eine geschäftliche Krise klingt,  als wäre die Autorin Senior-Consultant einer Unternehmensberatung gewesen.

So machen Text, kongeniale Schauspieler und Regie dieses Stück unerträglich lebensnah. Die Lacher von Herrn K. und den anderen Zuschauern sind Lacher der Selbsterkenntnis, die, angesichts der sich ankündigenden Katastrophe, im Halse stecken bleiben und den Puls schneller schlagen lassen. Vermutlich geht es vielen so wie Herrn K., sie haben die eigenen, weniger dramatischen Familienkatastrophen vor Auge und diese geben das Gefühl, am Geschehen teilzunehmen.

Die reale Welt ist an diesem Theaterabend nur einen winzigen Schritt entfernt.

Ganz große Kunst!

Hier geht es zur Schaubühne:

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...erzählt

Herr K. und die Dummheit der Menschen

„Warum sind sie so unglücklich?“, wurde Herr K. von einer Schülerin gefragt.

„Ich bin unglücklich, weil die Menschen so dumm sind“, antwortete er.

„Aber es gibt auch kluge Menschen“, versuchte die Fragende ihn ein wenig zu entkräften, „und sie sind sicher einer davon.“

„Bin ich etwa kein Mensch?“, fragte Herr K. erstaunt.

P.S. Vielleicht fällt Euch jemand ein, dem diese Geschichte auch gefallen würde. Dann schreibt dem- oder derjenigen doch eine kurze Mail mit dem Link.
Danke!
Euer Peter K.

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...erzählt

Herr K. und die Demokratie

Eines Tages ging Herr K. in eine Eckkneipe, trat an die Theke und bestellte ein Bier. Der Gast neben ihm verwickelte ihn in ein Gespräch und kam nach kurzer Zeit auf die Politik zu sprechen. Für gewöhnlich vermied Herr K. politische Gespräche, aber er wollte nicht unhöflich sein. Der Mann schimpfte wie ein Rohrspatz über Politiker, die dumm seien, keine Ahnung hätten und sich nicht trauen würden, einmal hart durchzugreifen. „Das Schlimmste aber ist“, so seine Worte, „dass es ihnen immer nur um ihre eigene Macht geht.“

An dieser Stelle holte Herr K. tief Luft, um zu signalisieren, dass er etwa sagen wolle. Der Redner, wohl auf Zustimmung hoffend, machte eine erwartungsvolle Pause, worauf Herr K. sagte: „Macht ist und war immer verführerisch, genau aus diesem Grund wurde die Demokratie erfunden.“

P.S. Vielleicht fällt Euch jemand ein, dem diese Geschichte auch gefallen würde. Dann schreibt dem- oder derjenigen doch eine kurze Mail mit dem Link.
Danke! Euer Peter K.

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...erzählt

Herr K. und die Angst

Herr K. traf eine Freundin, die einen bedrückten Eindruck machte. Auf die Frage, was los sei, erzählte sie, dass die Arbeit in der Klinik sie sehr belastet. Es gäbe nicht genügend Personal, daher müsse sie mehr als 60 Stunden die Woche arbeiten. Dazu kämen Rufbereitschaften als leitende Oberärztin, die dazu führten, dass sie sich am Wochenende nicht erholen könne. Das Privatleben würde unter dieser Situation zunehmend leiden. Manchmal sei sie verzweifelt.

Auf die Frage von Herrn K. warum sie sich nicht eine andere Arbeit suche, meinte sie: „Davor habe ich Angst.“

Herr K. schwieg eine Weile nachdenklich und entgegnete dann:
„Wo die Angst ist, ist die Tür.“