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...kocht

Spinatrisotto

Zutaten für 4 Personen
300gr. Blattspinat (grob geschnitten)
250gr. Risottoreis
3 Zwiebel (grob gewürfelt)
100ml Weisswein
1 mittelgroßen Saitling (gewürfelt) oder 100gr. Champingons
2 Knoblauchzehen
100gr. Cocktailtomaten (geviertelt)
80gr. Parmesan (fein gerieben)
ca. 1l Gemüse- oder Pilzbrühe (heiß)
50gr. Pinienkerne (trocken in der Pfanne geröstet)
Salz, Pfeffer, Muskat

Zubereitung
In einer Pfanne die Pilze mit wenig Öl anbraten, bis sie schön braun sind.
Gleichzeitig in einem größeren Topf die Zwiebeln und den Knoblauch in Öl oder Butter andünsten.
Den Reis zu den Zwiebeln hinzufügen und kurz mitdünsten und dem Weisswein ablöschen. Dann rühren, bis alles verkocht ist.
Anschließend so viel Gemüse- oder Pilzbrühe zugießen, bis der Reis knapp bedeckt ist und ihn bei mittlerer Hitze langsam köcheln lassen, bis die Brühe fast verkocht ist. Dabei gelegentlich umrühren.
Immer wieder Brühe zugießen und verkochen lassen, bis der Reis al dente (weich) ist.
Während der Reis vor sich hin gart, den Spinat in einer Panne erhitzen, mit Muskat (ordentlich), Pfeffer und Salz abschmecken.
Den Spinat in ein Spitzsieb geben und ausdrücken, dabei den Saft auffangen und für die Reiszubereitung nutzen!!!
Wenn der Reis fertig ist (er sollte feucht sein, aber nicht in Brühe schwimmen), nacheinander den Parmesan, die Pilze, die Tomaten und die gerösteten Pinienkerne einrühren.
Abschmecken und fertig.
Guten Appetit!

Euer Peter K.

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...erzählt

Herr K. und was es bedeutet, eine Partnerschaft zu führen

Bei einem Spaziergang erzählte ein Freund dem Herrn K., dass er nun das dritte Mal geschieden sei und er frage sich, woran das liege. Anfangs wäre er jedes Mal verliebt und glücklich gewesen, aber nach einiger Zeit hätten ihn immer irgendwelche Dinge gestört.

Bei der Ersten war es das laute Schlucken beim Trinken, das ihn wahnsinnig machte und zudem die ständige Befürchtung seiner Frau, er würde fremd gehen.
Bei der Nächsten störte ihn, dass sie immer überprüfen musste, ob er auch tatsächlich die Tür abgeschlossen hatte, wenn sie das Haus verließen und noch schlimmer, dass sie immer alles mit ihm zusammen machen wollte. Nie habe er Zeit für sich allein gehabt.
Bei der Dritten habe deren ständige Rechthaberei ihn so weit getrieben, dass er in große Wut geraten sei. Ob Herr K. wisse, was das Geheimnis einer guten Beziehung sei?

Herr K. lächelte und meinte: „Eine gute Partnerschaft führen, heißt einander ertragen zu können.“

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...berichtet

Vorschlag zu Wladimir Putin

Leider kann ich mich nicht zurückhalten hier einen Vorschlag zu machen, von dem ich hoffe, dass er möglichst viel Verbreitung findet.

Ich schlage deshalb vor, den Staatspräsidenten der russischen Föderation Herrn Wladimir Wladimirowitsch Putin in eine Reihe mit seinem großen Vorgänger Iwan IV zu stellen und ihn fortan wie jenen zu titulieren:

Wladimir der Schreckliche

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Das Wunder der Demokratie

Berlin den 9.12.2022

Lieber Freund,

Du hast einmal gesagt, dass eines Tages das chinesische System dem Unsrigen überlegen sein wird. Zuerst habe ich Dir zugestimmt, aber nach einigem Nachdenken, sehe ich das anders. Das möchte ich begründen.

Wenn eine Erkenntnis über Herrschaft für alle Zeiten und alle Kulturen richtig sein dürfte, dann ist es die Aussage von Lord Acton: „Macht korrumpiert. Absolute Macht korrumpiert absolut.“

Anders gesagt: Macht steigt dem Menschen zu Kopf, egal wie sehr ein Alleinherrscher sich davor zu schützen versucht. Trotz all dieser Versuche und trotz aller moralischen Appelle an die Herrscher, trotz aller Versuche durch richtige Erziehung ‚gute Könige‘ heranzuziehen, trotz des flehentlich erbetenen Beistand Gottes, blieb gute Herrschaft stets ein Produkt des Zufalls.

Es war also Glück oder Pech, ob man einen guten oder einen schlechten König bekam und für die Zeitgenossen waren die ‚guten‘ Könige oft gar nicht so gut. Friedrich II, der erst von den nachfolgenden Generationen zum ‚Großen‘ gemacht wurde, starb nach 46 Jahren Regierungszeit und seine Untertanen waren erleichtert, weil sie endlich einen neuen Herrscher bekamen und sich Verbesserungen erhofften, denn nach Friedrichs II stürmischen und kriegerischen Anfangsjahren war seine Regierung mehr und mehr erstarrt. Die Zeit drehte sich weiter, aber Reformen fanden nicht mehr statt.

Die Hoffnung auf Reformen durch den Nachfolger von Friedrich dem Großen erfüllten sich nicht, denn Friedrich-Wilhelm II war ein schwacher Monarch. Also musste das Volk wieder warten und einen preußischen König später kam Napoleon, der alles in Europa umwarf und dadurch in Preußen die dringend notwendigen Reformen ermöglichte (Hardenberg/Steinsche Reformen).

Veränderungen und wichtige Reformen finden in Diktaturen, Monarchien, Sultanaten etc. nur durch den Tod eines Herrschers, verlorene Kriege oder Aufstände statt, wobei die erfolgreichen Aufstände immer zur Beseitigung des Herrschers führen. Wenn man aber auf den Tod warten muss, kann es zu einem sehr langem politischen Stillstand kommen, dann nämlich, wenn ein Herrscher sehr lange lebt.

In der Konsequenz bedeutet das, dass für Reformen der Herrscher sterben muss. Das ließ sich am einfachsten erreichen, indem man den Herrscher (oder die Herrscherin) ermordet. Im Römischen Reich und bis ins späte Mittelalter war das eine verbreitete Methode, die allerdings selten aus ehrenwerten, politischen Absichten angewandt wurde.

Die Frage ist: Warum erfolgen Reformen frühestens mit einem Herrscherwechsel?

An dieser Stelle ist ein Blick in die menschliche Natur nötig. Wir wachsen auf mit den Ideen unserer Zeit. Sie entstehen aus einer hochkomplexen Melange von Genen, Familientradition, Erziehung, sozialem Umfeld und Kultur.  In dieser Melange entwickelt jeder Mensch seine Ideen und seine Vorstellungen vom Leben und die bleiben ein Leben lang hängen. Ich selber war beispielsweise sehr überrascht, als ich zufällig eine meiner ‚innovativen‘ Ideen von heute, haargenau in einem alten Tagebucheintrag von vor 45 Jahren wiederfand. Auch wenn man nicht immer vom Einzelfall auf das Allgemeine schließen sollte, so bleiben Ideen und Konzepte zäh und das gilt auch und noch mehr für Alleinherrscher. Irgendwann passen alte Antworten (=Ideen) nicht mehr zu den Problemen und Fragen der Zeit.

Das gilt nicht nur für Personen, sondern auch für Gesellschaften. So war z.B. Wandel durch Handel seit den 70er Jahren deutsche Staatsräson. Obwohl die Zeichen spätestens seit der russischen Annexion der Krim 2014 überdeutlich wurden, wurden sie schlicht und ergreifend ignoriert und erst nach dem Beginn des Krieges gegen die Ukraine hat man erkannt, dass dies nicht mehr passt. Das ist sowohl tragisch als auch menschlich, denn Krieg, Aufstand oder Revolution ist die Antwort auf nicht beachtete und darum ungelöste Probleme.

Halten wir also fest: Menschen und Gesellschaften sind träge, wenn es darum geht beim Denken die Richtung zu ändern und auf die Fragen von heute passen die Antworten von Gestern nicht mehr.

Es gibt also drei Probleme absolutistischer Herrschaft:

Die absolute Korrumpierbarkeit der Macht.
Gute oder schlechte Herrschaft als Zufallsprodukt.
(Relativ) Seltene Machtwechsel.

Die Fragen, die sich unsere klugen Vorfahren über Jahrhunderte also immer wieder stellten, lauteten salopp formuliert:

Wie kann man Macht so gestalten, dass sie nicht absolut korrumpiert?
Wie kann man für gute Herrschaft sorgen?
Wie kann man schlechte Herrschaft frühzeitig beenden?

Diese Fragen sind nicht trivial, wenn man daran denkt, dass Menschen jahrhundertelang annahmen, dass Könige von Gott eingesetzt werden.

Anders als in anderen Regionen der Welt gab es in Europa Vorbilder in der Antike. Die griechischen Stadtstaaten waren zwar keine Demokratien in unserem heutigen Sinne, aber es gab ein Mitbestimmungsrecht von ausgewählten Bürgern. Beim römischen Reich setzte sich diese Tradition  fort und die Wahl von Kaisern, Königen, Fürsten, Äbten, Bürgermeistern usw. zieht sich mehr oder weniger kontinuierlich durch große Teile der europäischen Geschichte. Das älteste und durchgängigste Wahlverfahren einer „Regierung“ ist übrigens die Papstwahl, wo sich allerdings dieselben o.g. Fragen stellen. Beim Papst wird seit längerem das Problem zu seltener Machtwechsel dadurch gelöst, dass man überwiegend alte Männer zu Päpsten wählt. Deren Regierungszeit ist durch ihre Lebenszeit natürlich begrenzt. Das ist eine durchaus pragmatische Methode zur Lösung des Problems, die aber gleichzeitig eine ganze Reihe anderer Probleme aufwirft.

Um auf Europa zurückzukommen, muss man außerdem festhalten, dass es hier seit dem frühen Mittelalter eine Dichotomie der Macht gab. Um zwei bedeutende Machtzentren kreiste Europa, den Papst und den Kaiser. In einen jahrhundertelangen Wechselspiel der Kräfte und Allianzen brauchten beide Verbündete. Adel, Klerus und Bürger nutzten das stetig wechselnde Machtgefüge dazu, sich mehr Freiheiten und Unabhängigkeit zu verschaffen.

In diesem Spannungsfeld von institutionellen Wahlen auf der einen und Allianzen mit den beiden Machtzentren auf der anderen Seite entstanden die Ideen der Demokratie.

Natürlich war das ein langer Prozess. Gewaltenteilung  lässt sich nicht einfach per Gesetz dekretieren, denn alle Seiten, Regierende und Regierte müssen bereit sein, sich dem zu unterwerfen. Ebenso muss eine Gesellschaft lernen, abweichende Meinungen auszuhalten und sich einer Mehrheit, innerhalb definierter Leitplanken, unterzuordnen. Es braucht Generationen um dieses gemeinsame Verständnis zu entwickeln, aber es kann funktionieren, wie man an Indien, Taiwan, Korea und auch in Teilen Afrikas sieht.

Demokratie ist fürwahr keine perfekte Lösung. Die USA und auch Großbritannien haben Verfassungen, die recht alt sind und einer Generalüberholung bedürften und wahrscheinlich wird auch die heutige deutsche Verfassung in 200 Jahren nicht mehr dem Stand der Zeit entsprechen. Deshalb waren die Gründerväter und -mütter des Grundgesetzes so klug, nur die ersten 20 Artikel zu den sogenannten Ewigkeitsartikeln zu erklären.

Demokratie ist anders gesagt, eine pragmatische Form der Organisation eines Staates, die auf der Erkenntnis aufbaut, dass Macht auf Dauer verliehen nicht nur schädlich, sondern höchst gefährlich ist und dass Diskurs nicht immer, aber auf Dauer, die besseren Lösungen hervorbringt.

Damit unterscheidet sich Demokratie von allen anderen Regierungsformen. Du weißt so gut wie ich, dass sich Probleme besser durch Diskurs lösen lassen und Demokratie ist institutionalisierter Diskurs. Im Diskurs entstehen die besten Ideen. Natürlich entstehen auch in Demokratien Dummheiten, aber dann gibt es nach einiger Zeit die Möglichkeit zu sagen: „Mit Euch nicht mehr. Ihr bringt es nicht.“ So wird das System zu Kurskorrekturen gezwungen.

Darüber hinaus verhindert Demokratie Revolutionen, denn die Mehrheit eines Volkes kann die Regierung in vergleichsweise kurzen Abständen abwählen. Unzufriedenheit wird so kanalisiert. Zwar gibt es auch in Demokratien Unruhen, aber keine systemstürzenden Revolutionen. Die sogenannte 68er Revolution hat, obwohl so genannt, lediglich die kulturellen, nie aber die strukturellen Grundfesten der Bundesrepublik (oder anderer Länder) ins Wanken gebracht.

Außerdem ist Demokratie durch die oben beschriebenen Merkmale ein zwar langsamer aber dauerhaft mal mehr mal weniger dynamischer Problemlösungsprozess. Selbst auf kurze Sicht kann sich eine Regierung nicht erlauben, gravierende Probleme dauerhaft zu ignorieren.

Das Problem der Demokratie ist allerdings, dass demokratische Lösungen oft unerträglich lange dauern. Hier sind Alleinherrscher im Vorteil. Sie brauchen sich nicht an dieses ganze umständliche, gelegentlich unverständliche Procedere zu halten, sondern sie dekretieren und es wird auf Gedeih und Verderb umgesetzt. Wenn sie Glück haben, treffen sie den Nerv der Bevölkerung und das macht ihre Attraktivität aus!

Leider erstarrt, wie oben beschrieben, dieser Schwung regelmäßig nach kurzer Zeit und dann kommt es früher oder später zu einer Agonie des Systems, das man dann versucht durch ideologische Phrasen oder durch Krieg zu stabilisieren. Das ist ein Kitt, der entweder nicht lange hält oder Unglück über die Völker bringt.

In diesem Sinne noch ein Wort zu China.

China hat den Weg des zaghaften Diskurses mittlerweile verlassen und schließlich den noch gravierenden Fehler begangen, die Amtszeitbeschränkung des Präsidenten abzuschaffen.

Für China wird das nicht gut enden.

Dein Freund Peter K.

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Aktionen der letzten Generation

Wenn man heute jemanden auf „etwas aufmerksam machen will“, dann geschieht das fast immer aus der Perspektive moralischer Überlegenheit. Aus diesem Grund bereitet es mir Unbehagen jemanden auf etwas „Aufmerksam machen“, denn es handelt sich dabei fast immer um Aktionen junger Menschen, die uns auf unsere Fehler aufmerksam machen.

Nun haben wir – zu unserer Zeit  – genauso mit dem Finger auf die Fehler unserer Vorfahren gezeigt und genau wie wir, übersehen sie die Sache mit dem Splitter und dem Balken. Aber das ist eine andere Geschichte.

Beruhigend ist immerhin, dass keiner der aktuell Aufmerksammachenden (sic!) deswegen auf die Idee kommt, Menschen umzubringen oder Flugzeuge zu entführen, aber das kann ja noch kommen.

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Bemerkungen zum Krieg (5)

16.10.2022
Jetzt haben wir uns an den Krieg gewöhnt. Es ist erstaunlich, wie schnell das geht. Die Meldungen beherrschen nicht mehr die täglichen Schlagzeilen. Wir verfolgen die Entwicklung an der Front und die Bewegungen der Frontlinie mit einer gewissen, teilweise optimistischen Neugier. Doch Optimismus ist fehl am Platz.
Vielleicht wird es der Ukraine im Süden gelingen bis zum Winter die Russen hinter den Dnepr zurückzuschlagen. Und dann?
Der Dnepr ist bei Cherson 800 Meter breit, etwas oberhalb fast acht Kilometer. Wie will die Ukrainische Armee dieses Hindernis überwinden, nachdem sie selber nahezu alle Brücken zerstört hat, um die Russen von der Versorgung abzuschneiden? Wie will sie die Russen aus der Krim verjagen? Und selbst wenn das gelänge, kann Rußland jederzeit an anderer Stelle der sehr langen Grenze neue Angriffe starten. Das würde zu einem permanenten Kriegszustand, wie an der innerkoreanischen Grenze führen.

Auch wenn ich mir einen Sieg der Ukraine wünschen würde, nach derzeitigem Stand der Dinge können weder Rußland noch die Ukraine den Krieg militärisch für sich entscheiden.

Die nahezu unlösbare Aufgabe ist es also, diesen Krieg früher oder später zu beenden und ich hoffe, dass unsere Regierungen ihre geheimen Kanäle nutzen, um diesem Ziel näher zu kommen.
Leider werden wir erst in 20 oder 30 Jahren mehr darüber wissen, was hinter den Kulissen passiert. Jetzt ist das unmöglich und das ist gut so!

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Bemerkungen zum Krieg 4

4.5.2022

Offene Briefe und Wendehälse

Der offene Brief von Edgar Selge, Alice Schwarzer, Lars Eidinger und anderen hat in den letzten Tagen für viel Empörung gesorgt. Grundsätzlich ist Empörung ein schlechter Ratgeber, denn meistens haben sich die Empörten nicht mit der Sache beschäftigt, sondern empören sich auf Grundlage einer Schlagzeile. Die wird nur halb gelesen und schon schwillt der Adrenalikamm.

Dieser offene Brief hat nichts Empörenswertes, sondern offenbart ein gehöriges Maß an Hilflosigkeit und – ich muss es leider sagen – Naivität. Bei Einigen, obwohl prominent, sind in den nachträglichen Erläuterungen zudem deutliche Spuren von Dummheit und mangelnder Menschenkenntnis zu erkennen. Das muss niemanden überraschen, denn jeder von uns ist schließlich manchmal dumm.

Wenn man sich schon empören will, dann ist etwas anderes viel empörenswerter. Ich meine damit die moralinsauren Pazifisten, wie beispielsweise unseren verehrten Hofreiter Anton sowie diverse Journalisten und Talkshowköniginnen, die lange Zeit ihren Pazifistismus mit dem Inbrunst der Überzeugung vor sich hertrugen, wie ein katholischer Priester die Monstranz. Kaum hat der Krieg begonnen, halten sie es mit Konrad Adenauer, zucken die Schultern und sagen: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.“

Zweifel scheinen diesen Meinungsführern nicht zu kommen. Sie wissen schließlich immer was richtig und was falsch ist.

Offen gestanden, sind mir da Alice Schwarzer und Co. doch lieber.

Erfolgsmeldungen und Kriegsverlauf

Bei der Lektüre der Deutschen und internationalen Presse kann man immer weider von den Erfolgen der Ukraine lesen. Kiew wurde erfolgreich verteidigt, ein Schiff wurde versenkt, die Moral der Russen ist schlecht und sie kommen nur langsam voran.

Das freut sicher nicht nur mich. Wer wünscht nicht den heldenhaften kämpfenden Ukrainern den Erfolg?

Aber ist hier vielleicht mehr der Wunsch der Vater des westlichen Gedankens? Ist es realistisch?

Wir neigen dazu, mehr die Dinge wahrzunehmen, die unsere Meinung und unsere Hoffnungen bestätigen und die Berichterstatter aus dem Kriegsgebiet sind nicht frei davon.

Denn wenn ich den Blick auf die Landkarte werfe, kommen mir Zweifel an diesem Optimismus. Große Gebiete der Ukraine sind bereits von den Russen erobert. Odessa ist unmittelbar bedroht und wenn die Ukraine vom Meer abgeschnitten ist, dann wird es sehr schwer für sie.

Ich bin wahrlich kein Militärexperte, aber der Blick auf die Landkarte sagt mir nichts Gutes.

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Die seltsamsten Menschen der Welt

Liebe Leserschaft,
normalerweise möchte ich natürlich, dass Ihr meinen Blog lest, aber dieses Mal möchte allen das Buch von Joseph Henrich: Die seltsamsten Menschen der Welt ans Herz legen. Es handelt sich um ein wissenschaftliches Buch über die kulturelle Evolution des Abendlandes.

Ich halte das Buch für eine der wichtigsten wissenschaftlichen Publikationen die ich kenne und würde es, auch wenn es vielleicht etwas vermessen ist, in eine Reihe stellen mit Darwins: Entstehung der Arten oder Kopernikus: De revolutionibus orbium coelestium. Das Faszinierendste dieses Buches ist, dass Henrich eine unglaubliche Menge an Daten, Statistiken, Erkenntnissen und Experimenten aller Humanwissenschaften (Soziologie, Psychologie, Volkswirtschaft, Anthropologie, sogar Medizin) zusammenträgt und in ein Gesamtkonzept zur Entwicklung von Gesellschaften überführt. Dabei geht er wissenschaftlich exakt vor und hat gleichzeitig einen lässigen und angenehmen Schreibstil (wie es nur die Amerikaner können).

Das Buch ist dick (mit 300 Seiten Apparat) und auch nicht ganz einfach. Allerdings kann man viele Stellen kursorisch lesen, weil diese in erster Linie dazu dienen, gegenüber der Wissenschaftgemeinde Methodik und Seriosität darzulegen.

Die Ideen sind ausgesprochen anregend, auch wenn ich vermute, dass Henrich an einigen Stellen über das Ziel hinausgeschossen ist, aber das betont er selber auch immer wieder.

Kleiner Tipp: Notiert Euch verwendete Abkürzungen oder Fachbegriffe, das hilft beim Lesen.

Wer es gelesen hat, mit dem würde ich sehr gerne in Austausch treten, entweder hier oder per Mail oder persönlich bei einem meiner Berliner Tafegespräche.

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...berichtet

Bemerkungen zum Krieg 3

19.4.2022
Lügen
Bismarck hat einmal gesagt: „Es wird selten so viel gelogen, wie vor Wahlen, während des Krieges und nach der Jagd.“

Rußland lügt so sehr, dass sich die Balken biegen. Ohne Frage. Aber auch die Ukraine lügt. Die Ukrainie muss lügen. Natürlich. Gezielt gestreute Informationen gehören zur Kriegsführung. Damit sind nicht die ukrainischen Aussagen über Massaker und Kriegsverbrechen der Russen gemeint, aber vielleicht die permanente Forderung der Ukrainer nach schweren Waffen, weil damit dem Gegner vorgetäuscht werden soll, dass man nur wenige habe. Damit kann man ihn u.U. in eine Falle locken. Krieg ist immer auch ein Krieg der Informationen. Seien wir vorsichtig: nur weil die Ukraine das Opfer eines böswilligen, widerwärtigen Angriffskrieges ist, ist sie nicht über jeden Verdacht erhaben.
Womit wir beim zweiten Punkt wären.

Sauberer Krieg
Einen sauberen Krieg gibt es nicht. Krieg bringt die schlechtesten und die besten Seiten im Menschen hervor. Wer das nicht glaubt, lese einmal das Buch der italienischen Journalistin Orianna Fallaci : „Wir: Engel und Bestien“ über den Vietnamkrieg. Es ist das ehrlichste Antikriegsbuch, dass ich kenne.
Im Krieg wird der Mensch zur Bestie und deshalb werden wir nach diesem Krieg viele Berichte über die Verbrechen beider Seiten zu lesen bekommen.

So oder so, Krieg ist schmutzig und es gibt keine einfachen Lösungen. Ein Gaslieferstopp wird diesen Krieg weder heute noch morgen beenden. Schwere Waffen werden der Ukraine helfen, aber ob es klug ist, öffentlich zu verkünden wann was wohin geliefert wird?
Was wirklich geschieht, werden wir erst in ein paar Jahren erfahren.

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...erzählt

Herr K. und seine Gewissensnöte

„Vor 40 Jahren haben Sie den Kriegsdienst verweigert, mit der Begründung, dass es sie in zu große Gewissensqualen stürzen würde, wenn sie einen Menschen töten müssten. Daran, so sagten Sie, würden Sie zerbrechen.“
„Ja“, antwortete Herr K.
„Und heute?“
„Heute zerbreche ich an der Erkenntnis, dass das Schlimmste manchmal nur mit Gewalt und Krieg verhindert werden kann.“

„Würde es Sie in einem solchen Fall immer noch in Gewissensqualen stürzen, einen Menschen zu töten?“
„Ja“, sagte Herr K., „aber ich hätte die Hoffnung, damit das Schlimmste zu verhindern.“