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Herr K. und der Splitter

Die mehr oder weniger demonstrativ zur Schau gestellte moralische Überlegenheit der Menschen geht mir gehörig auf den Wecker,“ schimpfte ein Freund von Herrn K.. „Die einen fühlen sich überlegen, weil sie mit dem Fahrrad fahren, die anderen, weil sie sich auf Autobahnen festkleben und die dritten, weil sie kein Fleisch essen. Und am Schlimmsten sind die, die dann selbstgerecht mit dem Finger auf dich zeigen, wenn du zu MacDonald gehst. Jeder sieht den Splitter im Auge des anderen, aber alle schaffen es, locker den Balken im eigenen Auge zu übersehen. Krass.“

„Ja“, antwortete Herr K. „das geht mir genau so.“

„Aber“, fügte Herr K. nachdenklich hinzu, „wir sehen auch nur den Splitter im Auge des anderen.“

auch interessant: Herr K. und der Kellner – Peter K.

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Herr K. und der Kellner

Herr K. machte zusammen mit einem Begleiter ein paar Tage Ferien in der brandenburgischen Provinz. Nach einer anstrengenden Wanderung suchten sie ein Restaurant, was sich schwieriger als erwartet gestaltete, denn es gab nur wenige davon in der kleinen Stadt. Schließlich fanden sie eines mit bürgerlicher Küche und angenehmen Ambiente. Es war voll und so gab es nur an der Theke zwei freie Plätze. Sie bestellten einen mittelmäßigen Rotwein, dazu ein Kotelett mit Pilzrahmsauce und begannen, wie es bei Herrn K. und seinem Begleiter üblich zu diskutieren. Sie sprachen über Fontane, über die Übertreibungen der Medien, über Relevanz und Irrelevanz von Kausalzusammenhängen und streiften sogar die Kant’schen Urteile a priori.

Ein junger Kellner hinter der Theke folgte offensichtlich neugierig ihrer Diskussion und versuchte etwas unbeholfen und ein bisschen aufdringlich, sich am Gespräch zu beteiligen.

Herr K. und sein Begleiter befürchteten, dass der junge Mann sie mit dummen Stammtischparolen zutexten wolle und wichen den Anknüpfungsversuchen so gut es ging aus.

Als Herr K. und sein Begleiter schließlich bei dem jungen Kellner zahlten, brach es ungeduldig aus ihm heraus: „Bevor sie gehen, muss ich ihnen noch eine Frage stellen. Glauben Sie, dass es in diesem Land Meinungsfreiheit gibt?“

Jetzt sah sich Herr K. zu einer Stellungnahme gezwungen und antwortete: „Ja, natürlich gibt es Meinungsfreiheit in diesem Land, niemand wird wegen einer Meinung von Staats wegen verfolgt oder kommt dafür ins Gefängnis. Allerdings“, so fügte er hinzu, „gibt es den Druck der öffentlichen Meinung und dem kann man sich nicht entziehen. Dieser Druck ist manchmal schwer auszuhalten.“

Als Herr K. seine Rede beendet hatte, leuchteten die Augen des Kellners und er konnte seine Begeisterung kaum unterdrücken.

„Wissen Sie“, sprudelte es aus ihm heraus, „wie sie diskutieren, ist außergewöhnlich, vor allem im Gegensatz zu dem, was ich sonst hier zu hören bekomme. Sie sind wirklich Premium Gäste.“

Verblüfft über das unerwartete Kompliment antwortete Herr K. nun seinerseits unbeholfen: „Und sie sind ein Premium Kellner!“

Beschämt verließen Herr K. und sein Begleiter das Lokal.

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Herr K. und die Politik

Herr K., der für seine Weisheit bekannt war, wurde von seinen Anhängern bedrängt, er möge doch in die Politik gehen.

Er aber antwortete ihnen: „Dafür bin ich ungeeignet. Meine Weisheit ist die Weisheit der Worte, Politik aber ist die Weisheit der Tat. Es ist leicht, weise zu reden, aber es ist unendlich schwer, weise zu handeln.“

Als er die Enttäuschung in den Augen seiner Anhänger sah, versuchte er sie zu trösten und sprach: „Ihr träumt von einem Heiligen, aber bekommen werdet ihr nur einen Menschen.“

auch interessant: Herr K. und der Krieg – Peter K.

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Herr K. und der Krieg

Bei einer Diskussion über Krieg und Frieden ging es hoch her. Besonders ein Politiker stach hervor, weil er bislang als radikaler Pazifist und Antimilitarist aufgefallen war. Immer hatte er sich mit großer moralischer Empörung gegen Waffenlieferungen in Konfliktregionen ausgesprochen. Mit stets zweifelsfreier Überzeugung stellte er fest: ‚Waffen lösen keine Konflikte, im Gegenteil, sie verschlimmern sie nur‘.

Zweifelsfreie Überzeugungen geraten aber ins Wanken, wenn sich die Umstände nicht an die Überzeugungen halten. So auch dieses Mal.

Als in der Region ein mächtiger Herrscher ein schutzloses Nachbarland überfiel, um es seinem Reich einzuverleiben, brach ein großer Krieg aus. Die Warnungen anderer vor dem mächtigen Herrscher hatte der überzeugte Pazifist in den Wind geschlagen. Als aber diese Warnungen bittere Realität wurden, brauchte er nur Stunden, bis er anklagend mit dem Finger auf diejenigen zeigte, die ihm zu zögerlich bei der Unterstützung des angegriffenen Nachbarlandes erschienen.

Freunde fragten Herrn K. nach der Diskussion, wie er sich dieses Verhalten erkläre.

Herr K. antwortete: „Wenn Idealisten mit der Realität kolidieren, sind sie tief enttäuscht und dann werden sie radikal.“

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht zufällig, aber irrelevant.

auch interessant: Herr K. und der Kampf gegen das Alter – Peter K.

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Der Einzige und sein Eigentum

Als ich hörte, dass im Deutschen Theater ‚Der Einzige und sein Eigentum‘ als Theaterstück aufgeführt wird, musste ich unbedingt hin. Als junger Mann habe ich in einer Lesegruppe mehrere Jahre lang den Max Stirner Text Woche für Woche, Absatz für Absatz gelesen und vor allem diskutiert. Das Buch hat mein Denken geprägt, auch wenn ich mich heute nicht mehr als pazifistischen Anarchisten bezeichnen würde.

Um es mit einem Satz zusammenzufassen: Der Abend war beeindruckend und enttäuschend zugleich.

Beeindruckend das Bühnenbild, die Kostüme, die Choreografie, der Sprechgesang, also die Inszenierung, alles mit ungeheurem Aufwand in Szene gesetzt. Wirkliches Theater, mit allem Schnickschnack der heute en vogue ist. Die Drehbühne fast immer in Bewegung, ständig wechselnde Kostüme und der Sprechgesang, mit lauter Musik hinterlegt, mal im Chor, mal im Wechsel, mal als Soli. Dazu Videoprojektionen der SchauspielerInnen, wobei der an Breugel erinnernde, raumfüllende, spiralförmige Turm als Projektionsfläche diente, auf den später bedeutungsschwanger Bienenwaben projiziert wurden, die sich schließlich zu Hochhausgebilden transformierten. Der scheinbare Höhepunkt war es, als die Zuschauer sich eine 3D-Brille aufsetzen und in eine 3D-Welt eintauchen sollten. Leider war der visuelle Eindruck eher mittelmäßig und es wirkte gewollt.

„Überwältigungsästhetik“, kommentierte mein Begleiter die Inszenierung lakonisch, „ein Wagnersches Gesamtkunstwerk.“

Sehr enttäuschend war die inhaltliche Ebene. Die Texte, allesamt originale Stirnerzitate, wie die neben uns sitzende Souffleuse versicherte, waren kaum zu verstehen. Manche Phrasen waren, wohl wegen besserer Rhythmisierung, ins Englische übersetzt, einiges wurde permanent wiederholt. Insgesamt trat der Text vollständig in den Hintergrund und spielte – bis auf einen sehr spannenden Monolog über das Recht – keine Rolle.

„Man hätte auch die Bibel nehmen können“, meinte mein Begleiter trocken, was ich wiederum ausschloss, weil das nicht provozierend genug wäre, um sich heute den Mantel des künstlerischen umzuhängen.

Zurück bleibt ein ambivalenter Eindruck.

Schade.

https://www.deutschestheater.de/programm/a-z/der-einzige-und-sein-eigentum/

Weitere Theaterkritiken siehe auch:

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Herr K. und der Kampf gegen das Alter

Neulich traf Herr K. eine gleichaltrige Nachbarin. Wie es ab einem gewissen Alter üblich ist, sprachen sie über Krankheiten, Zipperlein und darüber, was alles wehtut.

Dabei berichtete Herr K., dass er seit längerem Pilates mache und seitdem keine Rückenschmerzen mehr habe. Die Nachbarin schaute Herrn K. an und meinte: „Ich finde das toll, dass sie so gegen das Älterwerden kämpfen.“

Herr K. stutzte einen Augenblick und meinte: „Oh, da haben Sie mich missverstanden, ich kämpfe nicht gegen das Alter, kämpfen würde ich nur, wenn ich eine Chance auf den Sieg hätte.“

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Bemerkungen zum Krieg (6)

Derzeit sind die Augen der Welt auf den Kriegsschauplatz Bachmut gerichtet. Wenn alle aber nur auf einen Punkt starren, dann bereitet sich meistens im Verborgenen etwas anderes vor. Nach Ansicht vieler Experten ist die Stadt Bachmut nämlich nicht von großer strategischer Bedeutung, aber die erbitterten und verlustreichen Kämpfe dort könnten von Vorbereitungen einer größeren Offensive der Ukraine an anderer Stelle ablenken. Das Gejammere der Ukraine über fehlende Munition unterstützt dabei den Eindruck einer ukrainischen Schwäche, die möglicherweise bewusst hervorgerufen werden soll.

Strategisch würde es Sinn machen, wenn die Ukraine versuchen würde, die von Russland besetzten Gebiete in zwei Teile zu zerschneiden. Das könnte im Frühjahr mit einem massierten Panzerangriff in Richtung Assowsches Meer geschehen, was einer Strecke von knapp 100 Kilometer entspricht. Sicher schwierig, aber lösbar.

Durch einen solchen Schnitt würden die logistischen Probleme der Russen massiv erhöht. Die Versorgung russischen Truppen im südwestlichen Teil des Gebietes müsste dann über die Krim erfolgen, was einen riesigen Umweg mit entsprechende Herausforderungen bedeutet

Zugegeben, das sind Spekulationen. Vielleicht ist die ukrainische Armee tatsächlich geschwächt, aber wundern würde ich mich nicht, wenn wir noch Überraschungen erleben.

siehe auch: https://peterk.berlin/2022/10/16/bemerkungen-zum-krieg-5/

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Spinatrisotto

Zutaten für 4 Personen
300gr. Blattspinat (grob geschnitten)
250gr. Risottoreis
3 Zwiebel (grob gewürfelt)
100ml Weisswein
1 mittelgroßen Saitling (gewürfelt) oder 100gr. Champingons
2 Knoblauchzehen
100gr. Cocktailtomaten (geviertelt)
80gr. Parmesan (fein gerieben)
ca. 1l Gemüse- oder Pilzbrühe (heiß)
50gr. Pinienkerne (trocken in der Pfanne geröstet)
Salz, Pfeffer, Muskat

Zubereitung
In einer Pfanne die Pilze mit wenig Öl anbraten, bis sie schön braun sind.
Gleichzeitig in einem größeren Topf die Zwiebeln und den Knoblauch in Öl oder Butter andünsten.
Den Reis zu den Zwiebeln hinzufügen und kurz mitdünsten und dem Weisswein ablöschen. Dann rühren, bis alles verkocht ist.
Anschließend so viel Gemüse- oder Pilzbrühe zugießen, bis der Reis knapp bedeckt ist und ihn bei mittlerer Hitze langsam köcheln lassen, bis die Brühe fast verkocht ist. Dabei gelegentlich umrühren.
Immer wieder Brühe zugießen und verkochen lassen, bis der Reis al dente (weich) ist.
Während der Reis vor sich hin gart, den Spinat in einer Panne erhitzen, mit Muskat (ordentlich), Pfeffer und Salz abschmecken.
Den Spinat in ein Spitzsieb geben und ausdrücken, dabei den Saft auffangen und für die Reiszubereitung nutzen!!!
Wenn der Reis fertig ist (er sollte feucht sein, aber nicht in Brühe schwimmen), nacheinander den Parmesan, die Pilze, die Tomaten und die gerösteten Pinienkerne einrühren.
Abschmecken und fertig.
Guten Appetit!

Euer Peter K.

siehe auch: Vegetarische Bratlinge – Peter K.

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Herr K. und was es bedeutet, eine Partnerschaft zu führen

Bei einem Spaziergang erzählte ein Freund dem Herrn K., dass er nun das dritte Mal geschieden sei und er frage sich, woran das liege. Anfangs wäre er jedes Mal verliebt und glücklich gewesen, aber nach einiger Zeit hätten ihn immer irgendwelche Dinge gestört.

Bei der Ersten war es das laute Schlucken beim Trinken, das ihn wahnsinnig machte und zudem die ständige Befürchtung seiner Frau, er würde fremd gehen.
Bei der Nächsten störte ihn, dass sie immer überprüfen musste, ob er auch tatsächlich die Tür abgeschlossen hatte, wenn sie das Haus verließen und noch schlimmer, dass sie immer alles mit ihm zusammen machen wollte. Nie habe er Zeit für sich allein gehabt.
Bei der Dritten habe deren ständige Rechthaberei ihn so weit getrieben, dass er in große Wut geraten sei. Ob Herr K. wisse, was das Geheimnis einer guten Beziehung sei?

Herr K. lächelte und meinte: „Eine gute Partnerschaft führen, heißt einander ertragen zu können.“

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Vorschlag zu Wladimir Putin

Leider kann ich mich nicht zurückhalten hier einen Vorschlag zu machen, von dem ich hoffe, dass er möglichst viel Verbreitung findet.

Ich schlage deshalb vor, den Staatspräsidenten der russischen Föderation Herrn Wladimir Wladimirowitsch Putin in eine Reihe mit seinem großen Vorgänger Iwan IV zu stellen und ihn fortan wie jenen zu titulieren:

Wladimir der Schreckliche